Tradition

Diese Zeilen (Auszüge) schrieb der  vor vielen Jahren verstorbene vereid. Auktionator Fokke A. Baumann aus Dornum  in seiner Eigenschaft als damaliger Vorsitzender des Fachverbandes der Ostfriesischen Auktionatoren im Jahre 1967 in einem Vorwort für das damals herausgegebene „Handbuch für Ostfriesische Auktionatoren“.

„Die Ostfriesischen Auktionatoren besorgen schon seit Jahrhunderten hier in der äußersten Nordwest-Ecke unseres Vaterlandes, getragen vom dem Vertrauen des Volkes, fremde Rechts- und Geschäftsangelegenheiten.

Schon in den Jahren vor der Reformation (1517) und bereits vor der Entdeckung Amerikas (1492) wirkten die sog. „Uitmiener“ hier stets zu Nutz und Frommen der angestammten Heimat und der eingesessenen Bevölkerung, ohne je den Blick für das große Ganze zu verlieren. Aus den Familien der Auktionatoren gingen zu allen Zeiten hervorragende Juristen, Gelehrte, Kommunalpolitiker und Künstler hervor.

Bis auf den heutigen Tag wird das Andenken an Enno Hector (geb. 21.11.1820 als Sohn eines Gerichtsschreibers am Patrimonalgericht in Dornum, gestorben am 31.1.1874 als Sekretär am Germanischen Museum in Nürnberg) bekannt als Verfasser des Ostfriesenliedes, Sozial-Revolutionär und Dichter, besonders wachgehalten.

Er hat als junger Mann bei dem hochangesehenen Auktionator Rulffes in Pewsum unseren Beruf erlernt.

Wohl wandelten sich die Zeiten, Wappen, Embleme, Fahnen und Vorschriften; Ostfriesische Auktionatoren aber überdauerten alle Stürme der Reformation und des Dreißigjährigen Krieges, die preußische Epoche seit 1744, die holländische und französische Periode unter Napoleon, das Königreich Hannover (1815-1866), die Rückkehr zu Preußen, den 1. Weltkrieg und die bitteren Folgen des abscheulichen Diktates von Versailles, den 2. Weltkrieg und das Ende des Deutschen Reiches 1945.

Ich bin gewiß, daß die Ostfriesischen Auktionatoren selbst im vergrößerten EWG-Raum als Fachleute alten Schlages, die als getreue und gerechte Sachwalter ihrer Klienten bewegliche Güter und feste Liegenschaften, Nachlässe pp. öffentlich versteigern oder freihändig verkaufen, Verpachtungen an den Meistbietenden vornehmen und allen Mitmenschen mit Rat und Tat zur Seite stehen und dabei wirtschaftliche Einsicht mit den Rechtskenntnissen des alltäglichen praktischen Lebens paaren, gebraucht werden.

Der Stolz auf eine ruhmreiche Vergangenheit gibt Mut zu neuen Taten !“

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten

Schon seit vielen hundert Jahren
wirken hier in unserem Land
Männer dem kleinen Hammer
mit Humor und mit Verstand.

Häuser, Felder, Wiesen, Tiete,
Möbel und andere Sachen –
alles muß der Auktionator
schnell zu barem Gelde machen.

Und wenn Käufer und Verkäufer
zu ihm auf das Podium schauen,
spürt er bei dem schweren Amt
Einverständnis und Vertrauen.

Heute nun in unserem Land
walten sie ganz unumstritten,
unsere Wünsche sagen wir
an zum Ersten, Zweiten, Dritten.

Hier zum Ersten: Lauterkeit
bleib dem Stande stets erhalten!
Und zum Zweiten: Fröhlichkeit
mag bei ihrer Arbeit walten!

Und zum Dritten wie bisher
gelte bei des Hammers Schlagen:
Vom Vertrauen aller Stände
sei ihr hohes Amt getragen!